Fachbeitrag: «Quick-Pig» für die Gemeinde Glattfelden

In Glatt­felden ist ein Problem mit Ablage­rungen in den Rohrlei­tungen aufge­treten. Patrick Frei, der verant­wort­liche Klärmeister der Gemeinde, entschied sich, die Druck­leitung zu reinigen und setzt dabei auf das schonende Molch­ver­fahren. Das größte Problem beim Molchen ist, dass der Molch in die Pumpleitung einge­führt werden muss, was bedeutet, dass die bestehende Rohrleitung demon­tiert und geöffnet werden muss. Dies ist ein aufwen­diger Prozess, den Frei mit der Molch­schleuse Quick-Pig deutlich verbessern konnte.

Michael Stichternath
Leitung Produktmanagement
14.11.2022  | 4 Minuten
Druckrohrreinigung und Inspektion mit der Molchstation Quick-Pig - Gemeinde Glattfelden

Moder­ni­sierung: Pumpwerke ersetzen kleinere Abwasserreinigungsanlagen

Um die Vorteile der Bewirt­schaftung einer grösseren Abwas­ser­rei­ni­gungs­anlage (ARA) nutzen zu können, wurden in Glatt­felden die kleineren ARAs Nidermatt und Rheins­felden durch ein Pumpwerk ersetzt, welches das anfal­lende Abwasser zur ARA Stampfi in Eglisau fördert. Durch diese Massnahme konnten sowohl der Gewäs­ser­schutz als auch die Betriebs­si­cherheit zielge­richtet verbessert werden. Die Einbindung der Pumpwerk­steuerung in das Leitsystem der ARA gewähr­leistet einen konti­nu­ier­lichen und optimierten Zufluss zur ARA. Im Einzugs­gebiet des heutigen Pumpwerks in Rheins­felden befinden sich unter anderem mehrere Restau­ra­ti­ons­be­triebe. Nicht zuletzt dadurch ist eine aktive Bewirt­schaftung der Druck­leitung erforderlich.

Gezeigt hat sich das Problem zuneh­mender Ablage­rungen in Glatt­felden, indem die Leistungs­auf­nahme der Pumpen sukzessive gestiegen ist, der Durch­fluss sich jedoch reduziert hat. Die Pumpen liefen nicht mehr auf ihrem ausge­legten Betriebs­punkt, die Förder­menge reichte nicht mehr aus. Patrick Frei, verant­wort­licher Klärmeister der Gemeinde Glatt­felden, entschied sich, die Druck­leitung zu reinigen und stiess dabei auf das Molchen.

Molch­ver­fahren: eine erprobte und schonende Möglichkeit der Reinigung von Druckrohrleitungen

Die Förderung von nicht vorge­r­ei­nigtem Abwasser insbe­sondere in Druck­lei­tungen kann zu Ablage­rungen führen. Diese werden begünstigt durch die sauer­stoff­re­du­zie­renden Verhält­nisse, welche durch den Regel­be­trieb der Pumpen auftreten. Dieses Phänomen liess sich im konkreten Fall durch eine höhere Leistungs­auf­nahme der Pumpen bzw. einen verrin­gerten Durch­fluss feststellen. Handlungs­bedarf war angezeigt.

Auf der Suche nach einer erprobten und schonenden Möglichkeit der Reinigung der Druck­leitung empfiehlt sich das Molch­ver­fahren: ursprünglich aus der Erdöl­in­dustrie, in welcher die Zuver­läs­sigkeit der Infra­struk­tur­an­lagen von höchster (auch finan­zi­eller) Bedeutung sind, handelt es sich hierbei um ein vielfach erprobtes, rein hydrau­lisch-mecha­ni­sches Reini­gungs­ver­fahren, mit dem hochviskose Flüssig­keiten, pastöse Medien wie Fettab­la­ge­rungen, sogar Pulver und Granulate nahezu restlos aus Leitungs­sys­temen entfernt werden können. Dabei wird ein patro­nen­för­miger, flexibler Gegen­stand, eben der Molch, mit dem Abwas­ser­strom durch das Leitungs­system gepumpt. Im engli­schen wird dieser Vorgang «pigging» genannt. Diese Technik eignet sich neben indus­triell genutzten Leitungs­systeme ideal für Abwasserleitungen.

Die ideale Lösung für die Gemeinde Glatt­felden: die Molch­schleuse Quick-Pig

Als grösste Heraus­for­derung beim Molchen stellt sich in aller Regel das Einbringen des Molchs in die Pumpleitung dar. Ohne eine passende Molch­schleuse muss hierfür die bestehende Rohrleitung demon­tiert und geöffnet werden. Ein Prozedere, welches Frei bei einer regel­mäs­sigen Molchung seiner Druck­leitung verbessern wollte. «Der Aufwand für den Betrieb ist enorm. Auch die Sicher­stellung der Hygiene und Arbeits­si­cherheit für meine Mitar­beiter bedarf höchster Achtsamkeit». Zusammen mit Franz Störch von CSD Ingenieure AG wurde eine geeignete Molch­schleuse gesucht.

Aufgrund des einge­schränkten Platz­be­darfes musste eine Molch­schleuse idealer­weise ausserhalb des Pumpwerks platziert werden. Bei den Recherchen stiess man auf eine innovative Entwicklung der Firma Reinert-Ritz aus Deutschland: das Quick-Pig.

Druckrohrreinigung und Inspektion mit der Molchstation Quick-Pig - Gemeinde Glattfelden
Druckrohrreinigung und Inspektion mit der Molchstation Quick-Pig - Gemeinde Glattfelden
Druckrohrreinigung und Inspektion mit der Molchstation Quick-Pig - Gemeinde Glattfelden

Die Quick-Pig Molch­station – für die schnelle Kontrolle und das einfache Reinigen

Die Quick-Pig Molch­station wird vollständig aus Polyethylen gefertigt und ist somit resistent gegen Korrosion und weiter mögliche Gefahren. Die Lösung wird von DN 50 / 63 mm bis einschliesslich DN 350/355 mm gefertigt und ist sowohl für Neue Leitungen als auch nachträg­lichen Einbau geeignet. Durch den Dom der bis zur Gelän­de­ober­kante reicht, wird ein Schacht­bauwerk nicht mehr benötigt. Hierdurch werden Mitar­beiter vor möglichen Unfällen geschützt und kosten­in­tensive Restau­rie­rungen der Schächte entfallen.

Druckrohrreinigung und Inspektion mit der Molchstation Quick-Pig - Gemeinde Glattfelden

Im Inneren der Molch­station befindet sich der Sender, der beim alltäg­lichen Betrieb in der Rohrleitung sitzt. Dieser ermög­licht eine schnelle Kontrolle der Leitung und aber auch ein schnelles Einsetzen des Molches. Den Sender gibt es in verschie­denen Ausfüh­rungen. Die Grund­version ist ohne jeglichen Zusatz. Dann gibt es die Möglichkeit des 2‑Zoll Spülan­schlusses, dieser ermög­licht es die Leitung zusätzlich mit Fremd­medium zu spülen. Für die Größeren Dimen­sionen gibt es Optional den 4‑Zoll Spülan­schluss. Des Weiteren besteht die Möglichkeit die Molch­station mit einem Be- und Entlüf­tungs­ventil auszu­statten. Dieses Ventil wird auf die 2‑Zoll Kupplung montiert und erweitert die Optionen.

Als Gegenpart zu dem Sender gibt es den Fänger. Dieser ermög­licht es mittels einer zusätz­lichen Station den Molch aus der Leitung zu fangen. Der Fänger ist nicht bei dem alltäg­lichen Betrieb in der Leitung und wird nur für den Molch­vorgang einge­setzt. Den Fänger gibt es ebenfalls mit den Optionen des Spülanschlusses.

Molchung in Glatt­felden: Pumpen wieder auf Betriebspunkt

Das Resultat der durch­ge­führten Molchung in Glatt­felden liess sich zunächst sehr einfach und anschaulich am Empfän­ger­schacht in Augen­schein nehmen: die ausge­tragene Schmutz­fracht, der der Molch vor sich herschiebt, nahm sichtbar stetig zu, bis der Molch schliesslich den Schacht erreichte. Neben der visuellen Erfolgs­kon­trolle zeigte sich, dass sich die ausge­legte Leistungs­auf­nahme der Pumpen wieder einstellte und dass die Pumpen mit gestei­gerten Durch­fluss wieder auf dem ausge­legten Betriebs­punkt liefen.

Praxis zeigt: Quick-Pig erleichtert das Instand­halten und Reinigen von Abwasserdruckrohrleitungen

«Das Konzept des Quick-Pig hat grosse Vorteile für unseren Betrieb. Wir wollen die Druck­leitung aktiv und optimal bewirt­schaften, um einen reibungs­losen Betrieb sicher­stellen zu können. Vor dem Einbau der Molch­schleuse war es nicht nur eine Tages­aktion, die Druck­leitung zu molchen. Auch haben sich die Mitar­beiter nicht unbedingt um diese Arbeit gerissen, da das Einbringen des Molches aufwendig war und man in den meisten Fällen den Kontakt mit dem Schmutz­wasser nicht vermeiden konnte» erklärt Frei. «Mit dem Quick-Pig kann das Molchen nun viel leichter in den Unter­halts­prozess einge­bunden werden und ist durch weniger Perso­nal­einsatz und kürzerer Inter­ven­ti­ons­dauer auch viel effizienter!»

Die zugehörige Fänger­station ist bereits bestellt und wurde im Dezember instal­liert und in Betrieb genommen.

Bauherr: Gemeinde Glattfelden

Baumeister: Peter Zolliger, Glattfelden

Ingenieur: CSD Ingenieure AG, Brugg

Lieferant: Reinert Ritz GmbH, Deutschland

Fachbeitrag Molchschleuse Quick-Pig - Aqua und Gas

Laden Sie hier den Fachbeitrag aus der Aqua & Gas als PDF herunter: